Junge Grüne machen weiter – Mit neuen Herausforderungen und neuem Namen

 

Was bisher geschah

Das Jahr 2017 geht zu Ende und war für unseren Verband sehr turbulent. Nach langjähriger Kritik am engen, geschlossenen und depolitisierten Zustand der Grünen Partei, nutzte diese einen parteiinternen Konflikt über die grüne Studierendenfraktion als Anlass, die Jungen Grünen als Jugendorganisation rauszuwerfen. Die Angst vor Öffnung und Kritik gipfelte also schließlich im Rauswurf der Jungen Grünen, mit dem wir einen sehr großen Teil unserer Ressourcen und Infrastruktur verloren haben. Das auszugleichen und trotz allem weiterzuarbeiten, war nur durch den unglaublichen Einsatz unzähliger Aktivist*innen möglich. Es wurden Zimmer und Keller zur Verfügung gestellt, um unser Material und Archiv zu lagern, Geld- und Sachspenden gemacht und viel Zeit darin gesteckt, weiterhin Anlaufpunkte und Vernetzung möglich zu machen. Durch den Rückzug des im Jänner gewählten Bundesvorstands haben wir versucht neue Weichen zu stellen. Doch leider haben große Teile der Grünen Landesparteien daran gearbeitet, die Jungen Grünen als schlagkräftige Struktur massiv zu schwächen und uns loszuwerden. Die Angst der Grünen Parteifunktionäre und die damit einhergehende aggressive Vorgehensweise hat die Partei einen extrem hohen Preis zahlen lassen. Statt auf das Angebot der Jungen Grünen einzugehen, geordnet und mit Fokus auf politische Perspektiven auseinanderzugehen, hat die Grüne Partei versucht, die Strukturen der Jungen Grünen zu zerstören.

Nachdem die lösungsorientierte Strategie der Jungen Grünen nicht gelungen ist, wurde im Juli bei ihrem 9. Bundeskongress in Graz beschlossen, einen ersten Schritt in die Richtung eines linken Parteiprojekts zu wagen. Die Jungen Grünen haben beschlossen, die Plattform unabhängig und solidarisch (Plattform PLUS) zu initiieren, um lokale Organisierung und politische Strategiefindung voranzutreiben. Die Entwicklung der Strukturen der Plattform PLUS ging einher mit dem Entschluss, bei der Nationalratswahl 2017 gemeinsam mit der KPÖ und vielen Unabhängigen unter dem Dach von KPÖ PLUS zu kandidieren. Viele Junge Grüne haben sich mit Kraft und Energie dem Wahlkampf gewidmet. Und auch wenn das Ergebnis von KPÖ PLUS bei der Nationalratswahl nicht wie erhofft ausfiel, haben wir gezeigt, wie viel man als Linke in wenigen Monaten auf die Beine stellen kann.

 

Wo stehen wir jetzt?

Über den Wahlkampf als KPÖ PLUS wollten wir bundesweit neue Interessierte ansprechen und lokale Gruppen aufbauen. An einigen Orten ist uns das gut gelungen, an anderen weniger. Mit KPÖ PLUS haben wir nach dem Rauswurf durch die Grüne Partei eine große Dynamik geschaffen. aber: Der Wahlerfolg blieb aus. Und das Wahlergebnis mit 60% Zustimmung für rechte Parteien ist für die ganze österreichische Gesellschaft katastrophal. In unserer Wahleinschätzung haben wir zusammengefasst, welche Lehren wir aus diesem Ergebnis ziehen können. Der Wahlausgang zeigt uns eindrucksvoll, wie notwendig unser politisches Engagement auch in der kommenden Zeit sein wird. Wir werden weitermachen.

Unsere finanzielle Ausgangslage hat sich seit dem Rauswurf durch die Grünen massiv verschlechtert. Vieles werden wir anders und kleiner machen müssen als bisher, da uns Ressourcen fehlen, die unsere Arbeit vorher unterstützt haben. Momentan arbeiten wir daran, eine Minimalstruktur zu finanzieren, um auch wieder ein Büro und einen dauerhaften Ort für das Archiv einzurichten. Dazu kommt, dass die Verhandlungen mit der Grünen Partei noch nicht abgeschlossen sind.

 

Wie geht es für uns weiter?

Wir werden als unabhängige, politische Jugendorganisation weitermachen. Wir wollen weiter daran arbeiten, jungen Menschen Gelegenheiten zu bieten, um aktiv zu werden und ihre Ohnmachtsgefühle zu überwinden, lokalen Gestaltungsspielraum eröffnen und die Erfahrung schaffen, dass zusammen Veränderungen möglich sind, die allein gar nicht denkbar wären. Wir werden uns als Junge Grüne umbenennen. Wir sind kein Teil der Grünen Bewegung mehr. Aus dem Namen Junge Grüne sind wir herausgewachsen. Unseren Bruch mit der Grünen Partei wollen wir nun auch im Namen sichtbar machen. Daher arbeitet der Bundesvorstand daran, eine Umbenennung des Verbands vorzubereiten, um auf einem Bundeskongress im Juni den Neustart in eine nächste Phase einzuleiten. Bis dorthin werden wir versuchen, viele Mitglieder wieder zu erreichen, die sich vom Konflikt mit der Grünen Partei abgeschreckt zurückgezogen haben. Wir Junge Grüne arbeiten demokratisch, deshalb wird eine Umbenennung auch vom höchsten Gremium der Jungen Grünen, dem Bundeskongress, diskutiert und beschlossen werden. Es braucht einen neuen Namen und einen Leitantrag, in dem ein neues  Selbstverständnis unseren politischen Auftrag als politische Jugendorganisation widerspiegelt. Im März werden wir dafür auf einem Bundesausschuss die nötigen Vorbereitungen treffen. In den Bezirken werden wir schon davor unsere politische Arbeit vor Ort wieder aufnehmen. Wir möchten Solidarität und die Möglichkeit der Veränderung im Kleinen konkret erfahrbar machen. Uns aus der Jugendorganisierung zurückzuziehen, wäre angesichts der kommenden Regierung und den bevorstehenden massiven Angriffen auf unser aller Grundrechte und sozialen Errungenschaften keine Option.

 

Junge Grüne und die Plattform PLUS – Plattform unabhängig und solidarisch

Wir sind im Wahlkampf bewusst nicht unter dem Namen Junge Grüne aufgetreten, um den Streit mit der Grünen Partei nicht zu befeuern. Nach den geschlagenen Wahlen ändert sich das nun. Die Strukturen der Jungen Grünen sind eine unerlässliche Stütze für den Aufbau der Plattform PLUS. Die Erfahrung erfolgreicher junggrüner Jugendorganisierung bildet die Ausgangslage für den Aufbau der Plattform PLUS. Wenn wir eine starke Plattform PLUS wollen, brauchen wir starke Junge Grüne – vor Ort und bundesweit.

Deswegen werden wir als Junge Grüne in unseren demokratischen Strukturen darüber diskutieren, wie wir als unabhängiger Jugendverband weitermachen und gleichzeitig den Gründungskongress der Plattform PLUS mitvorbereiten.

Erstmals präsentiert wird die Plattform PLUS noch im Dezember, danach sollen regelmäßige lokale Treffen und eine Tour durch die Bundesländer im neuen Jahr stattfinden. Bis zum Gründungskongress im Juni in Wien gibt es in den Gruppen vor Ort eine Planungs- und Vorbereitungsphase. Die Plattform PLUS soll sich über die nächsten Jahre vor Ort verankern und Menschen dafür begeistern, gemeinsam politische Arbeit an der Basis zu machen.

 

 

Für eine bessere Zukunft begeistern

Wir machen weiter, bald unter neuem Namen. Bis dorthin werden wir die Bezirksgruppen wieder beleben und lokale Veranstaltungen und Aktionen planen. Wir haben viel Neues vor. Aber aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre können wir lernen, an Gelungenem ansetzen und auf Erfolgen aufbauen. Wir werden neue Wege finden, die Linke in Österreich voranzubringen und für die Interessen aller zu kämpfen, die in Ausbeutung und Armut leben müssen. Wir wollen weiter für eine solidarische und offene Gesellschaft eintreten. Wir freuen uns auf die kommende Zeit! Sei dabei!

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