Junge Grüne planen parteiunabhängigen Jugendverband

Dienstag, 2. Mai 2017

Nach ihrem Ausschluss durch die Parteispitze haben die Jungen Grünen am Vorabend des 1. Mai bei einer Perspektivenkonferenz in Wien über ihre politische Zukunft beraten. Über 160 Aktivist*innen aus allen Bundesländern haben diskutiert, wie sie sich weiterhin politisch einbringen können. Die Jungen Grünen planen nun einen neuen, parteiunabhängigen Jugendverband, der zusätzlich zur Jugendorganisation der Grünen junge Leute dafür begeistern will, sich aktiv politisch einzubringen.

“Es braucht einen Rettungsanker für die Demokratie von außerhalb der Parteien”, so Flora Petrik, Sprecherin der Jungen Grünen. Denn die Parteien stecken in einer Krise. Es gelingt ihnen nicht, viele Menschen für Politik zu begeistern und sie aktiv zu beteiligen. Die Ängstlichkeit der Parteiapparate und die verkrusteten Strukturen stehen dem Aufbau einer breiten Basis im Weg. Der Rechtsruck kann aber nur gestoppt werden, wenn es gelingt, viele Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft in einen demokratischen Aufbruch von unten einzubinden. Die Jungen Grünen haben sicher unterschätzt, wie sehr auch die Grüne Parteispitze in der Krise steckt und sich nur mit Druck und autoritärem Durchgreifen zu helfen weiß. Das zeigt sich auch nach dem autoritären Ausschluss der Jungen Grünen, da weiterhin keine Vermittlergruppe zugelassen und so ein geordneter Übergang verunmöglicht wird.

Das Ziel der Jungen Grünen ist weiterhin, viele junge Menschen dafür zu begeistern, aktiv zu sein, sich weiterzubilden, unsere Gesellschaft zu verstehen und selbst Politik zu machen. Grundsätzlich sind alle Menschen politisch und können für Politik begeistert werden “Viele sind aber von Parteipolitik frustriert, was ich nachvollziehen kann”, so Petrik: “Wir wollen zeigen, dass Politik mehr bedeutet als Parteienhickhack und nur Dauerwahlkampf, sondern dass es darum geht, dass sich Leute vor Ort und gemeinsam für ihre Interessen einsetzen.”

Die Jungen Grünen planen daher einen neuen, parteiunabhängigen Jugendverband, der zusätzlich zur Jugendorganisation der Grünen Partei junge Menschen für Politik begeistern soll. Ein Schwerpunkt wird weiterhin das Engagement vor Ort sein. Um viele junge Menschen aktiv zu beteiligen, braucht es viele lokale Gruppen auch außerhalb der größeren Uni-Städte. Die Jungen Grünen sind seit ihrer Gründung 2010 stark gewachsen und zu einem der erfolgreichsten Grünen Jugendverbände in Europa geworden. Darauf wollen sie nun bei der Gründung eines parteiunabhängigen Verbands aufbauen. Die neue Organisation wird offener und niedeschwelliger für Menschen mit verschiedenen Hintergründen sein als das mit einer Parteiorganisation möglich war.

Dabei handelt es sich um eine neue Organisation, die zusätzlich zu jener der Grünen Jugendorganisation wirken soll. Die Strukturen der Jungen Grünen sollen jenen, die noch Hoffnung in die Partei setzen und sich in der Partei für eine Veränderung engagieren wollen, erhalten bleiben. Auch in Zukunft braucht es eine kritische Grüne Jugendorganisation. In den Bundesländern sind die Jungen Grünen weiterhin Teil der Landesparteien. In den nächsten Monaten soll in Gesprächen versucht werden, einen geordneten Übergang zu ermöglichen. Viele Grüne Landesparteien sind durchaus konstruktiv und offen für eine kritische Jugendorganisation. Bei anderen Grünen Landesparteien, die kein Interesse an einem starken Jugendverband haben und jungen Menschen alles vorschreiben wollen, sehen die Jungen Grünen eher schwarz.

“Die Jungen Grünen starten in den nächsten Wochen einen Prozess zum Aufbau eines parteiunabhängigen Jugendverbands”, so Petrik. Die organisatorischen und finanziellen Herausforderungen dabei sind natürlich groß. Wie der Aufbau des parteiunabhängigen Jugendverbands gelingen kann, wird gemeinsam mit allen Mitgliedern der Jungen Grünen in ihren Landesorganisationen und Bezirksgruppen diskutiert. Im Juli wollen sie bei einem Bundeskongress die Weichen stellen, sowohl für den neuen Verband, als auch mit all jenen, die sich weiterhin in der Partei und der Grünen Jugendorganisation einbringen wollen.

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