Wurzeln schlagen! Für starke Junge Grüne. Leitantrag 2015

Wurzeln schlagen! Für starke Junge Grüne. Leitantrag 2015

Unser ohne Enthaltungen und Gegenstimmen angenommener Leitantrag zum 6. ordentlichen Bundeskongress der Jungen Grünen am 5.1.2015 in St. Gilgen am Wolfgangsee.

Lokale Strukturen stärken! Gemeinsame Ziele denken

Die Jungen Grünen haben ihre Potentiale in Städten und urbanen Gebieten. Diese Potentiale gilt es zu nutzen. Die Organisierung in den Städten bietet große Chancen für politische Veränderung – je größer die Städte, desto schwieriger ist es aber auch, politische Bedeutung zu gewinnen.
Die Organisierung als Organisation, weg von beschränkten Kleingruppenstrukturen, ist eine große Herausforderung, doch sie ist notwendig, um politisch etwas in Bewegung zu bringen.

Die Jungen Grünen versuchen nicht zur beliebten Szene-Wohlfühlsekte zu werden, sondern wollen sich öffnen. Politik, die ehrlich ist, muss ernst und entschlossen sein. Die Jungen Grünen betreiben keine Politik für junge Leute: Den Jungen Grünen geht es um den Aktivismus junger Leute auch in Bereichen, die über den klassischen, reduzierten Begriff “Jugendpolitik” hinausgehen. Die Jungen Grünen wollen Menschen animieren, politisch zu denken und aktiv zu werden, um in der Gesellschaft langfristig eine positive Veränderung voranzutreiben. Engagement in einer Jugendorganisation soll keine Jugendsünde sein, sondern politisches Denken motivieren und Aktivismus über die Zeit in der Jugendorganisation hinausführen.

Diversität und Gendergerechtigkeit in der Organisation sind Grundvoraussetzungen, um erfolgreich politische Veränderung zu erreichen. Den Gender Gap überall zu schleßen, qualitativ wie quantitativ, ist eine essenzielle Chance der Jungen Grünen, um politische Dynamiken voranzutreiben.

Lokale Schlagkraft ist eine Grundvoraussetzung für überregionale Stärke. Eine solche Stärke braucht aber auch gemeinsame Ziele statt lokaler Eigenbrötlerei und die Disziplin und den Willen, gemeinsame Beschlüsse und Planungen vor Ort umzusetzen und Koordination effektiv von selber zu suchen.

Das Politische verteidigen! Gegen Entdemokratisierung und Scheinpraxis

Die Jungen Grünen beziehen sich positiv auf die grüne Gründungsidee, die eng mit der Sehnsucht nach einem demokratischen Aufbruch verbunden war und eine Kritik am Parlamentarismus hatte. Eine falsche Analyse aus falschen und gefährlichen idealistischen Vorstelllungen haben die Grünen in Österreich zu einer Partei werden lassen können, die mittlerweile eine treibende Kraft postpolitischer und antidemokratischer Tendenzen ist. Eine genaue Analyse des stark ausgeprägten korporatistischen Parteiensystems und der Wirkung staatlicher Strukturen auf die gesellschaftlichen Organisationen ist notwendig, um zu vermeiden, dass bestehende Strukturen uns unbewusst die politischen Handlungsrahmen und Entwicklungen vorzeichnen.

Neben der Verschärfung der Krise der repräsentativen Demokratie ist die zweite Ebene der Politik, die es zu kritisieren gilt, die der Scheinpraxis. Fairtrade & Co., Selbstverwirklichung, die nur vorgeblich die Welt verbessern möchte, sind der Ort, wo die Politik zum Sterben hingeht. Konsumkritik, Individualisierungsstrategien und Ideologiekritik, die bei der Feststellung einer Konstruktion stehen bleibt und deren reale Wirksamheiten ausblendet, harmonieren mit einer neoliberalen Hegemonie, die den Tod jeder Gegenorganisierung bedeutet.

Die Jungen Grünen stehen für die Demokratisierung der Gesellschaft in allen Lebensbereichen, für eine demokratische Kritik, die über den Parlamentarismus hinausgeht. Es gilt, die repräsentative Demokratie als historischen Fortschritt gegen Versuche zu verteidigen, hinter sie zurückzugehen. Gleichzeitig wollen wir eine weitgehende Demokratisierung aller Lebensbereiche erreichen und somit über die repräsentative Demokratie hinausgehen.

Wissen aufbauen! Verdichtungen fördern

Die Arme aller Parteien sind in Österreich extrem lang und es gibt kaum soziale Bewegungen oder so etwas wie Zivilgesellschaft, wo die eine oder andere Partei nicht ihre Finger drinnen hätte oder es keine Verbindungen gäbe. Die Jungen Grünen wollen Wissen aufbauen, das in andere fortschrittliche Projekte einfließen kann. Neben Wissen geht es, darum Leute aufzubauen und Begeisterung für eine Politik zu wecken, die mehr ist als Selbstverwirklichung oder inhaltsleere Parteipolitik.

Die Grünen und auch die Jungen Grünen sind eher institutionell geprägt. Institutionen sind notwendig, weil sie über Ressourcen und Wissen verfügen und kontinuierliche Arbeit leisten können. Sie können aber auch schnell zu ängstlichen Besitzstandswahrerinnen und zu Bremsklötzen fortschrittlicher Veränderung werden. Wir wollen dagegen bewusst einen Beitrag zu einer Dynamik leisten, die unkontrollierbar für die Institutionen wird.

Unsere Stadt! Der öffentliche Raum gehört allen

Städte sind oft sichtbare Konfliktfelder der Auseinandersetzung zwischen politischen Vorstellungen und Interessenslagen, wobei Kapitalinteressen oft die wesentlichste Rolle spielen. Gutes Wohnen, ein leistbares Leben, der öffentliche Raum für alle, ob arm oder reich, Platz für nichtkommerzielle Projekte und Ideen, genau darum geht es uns. Die Jungen Grünen setzen sich für eine Stadt ein, in der alle gut leben können, wo nicht alles den Interessen von Geschäften, Investor*innen und Gastronom*innen geopfert wird. Wo es eine Verkehrspolitik gibt, die nicht die Luft verschmutzt, Lärm beschert und unnötig viel Platz frisst. Wir kämpfen für eine demokratische Stadt, die allen Selbstbestimmung und ein gutes Leben ermöglicht. Selbstbestimmung setzt für uns Solidarität voraus, um jeder und jedem möglichst viele individuelle Freiheiten zu ermöglichen.

Die Kämpfe um Wohnraum, gegen Nazis und Diskriminierung, für gratis Öffis, für einen öffentlichen Raum, in dem sich alle frei bewegen können und den alle selbstbestimmt nutzen können, sind immer auch als konkrete Auseinandersetzungen zu verstehen, an denen symbolisch gesellschaftlich weiter gehende Fragestellungen verhandelt werden.

Wir als Junge Grüne wollen an Erfahrungen und Erfolgen ansetzen und versuchen fortschrittliche Dynamiken auszulösen, über große und kleine Aktivitäten. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass sich möglichst viele Menschen politisch engagieren, um wirklichen Wandel in der Gesellschaft möglich zu machen!

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