Wieso das Recht auf Abtreibung?

I LOVE MY VAGINA

Frauen und Mädchen müssen über ihren eigenen Körper selbst entscheiden können. Das gilt nicht nur für die Kleidung oder Schminke, die sie tragen oder eben nicht, sondern auch für die eigene Sexualität. Ob oder mit wem und in welchem Ausmaß bleibt jeder selbst überlassen!

Womit sich jede sexuell aktive Frau auseinandersetzen muss, ist die Art und Weise der Verhütung. (Ebenso bei gleichgeschlechtlichen Beziehungen, um mögliche Geschlechtskrankheiten nicht zu übertragen.) Bei ungewollter Schwangerschaft entscheiden sich auch einige Frauen für einen Schwangerschaftsabbruch. Klar ist, dass keine Frau das leichtfertig macht. Im Notfall müssen Abtreibungen aber sicher, legal und kostenfrei für ALLE durchführbar sein.

Warum sichere, legale und kostenfreie Abtreibung?

Seit dem Altertum gibt es Aufzeichnungen über Abtreibung und schon immer ist es ein Thema, das viel diskutiert wird. Erstmals forderten in den1960er- und 1970er-Jahren der sogenannten sexuellen Revolution Feminist_innen das Recht auf legale, sichere Schwangerschaftsabbrüche ein. Zu dieser Zeit wurden Frauen unweigerlich mit dem Thema der ungewollten Schwangerschaft konfrontiert. Das Konzept der freien Liebe (Sex zu haben mit wem und wann man will ohne dabei auf gesellschaftliche Normen zu hören) bereitete vielen Lust, funktionierte aber nur, wenn Frauen über sichere, effektive Empfängnisverhütung und auch Abtreibung verfügten. Themen wie sexuelle Aufklärung, Schwangerschafts- und Gesundheitsvorsorge, die Frauen dabei helfen konnten ihren Körper zu verstehen mussten präsenter werden um kontrollierte Sterilisation, unnötige Kaiserschnitte und/oder Hysterektomie und die damit einhergehenden medizinischen Komplikationen zu vermeiden.

Das waren alles Themen, die noch keine Stimme in der Gesellschaft erlangt hatten. Das Abtreibungsthema erhielt aber am meisten Aufmerksamkeit, weil es das fundamentalistische Denken des Christentums angriff. Es kritisierte nämlich die Annahme, dass der Existenzgrund der Frau das Kindergebären sei.

Meist war es Sache der Frau, sich um die tabuisierte Verhütung oder die ungewollten Konsequenzen einer Schwangerschaft zu kümmern. Die wenigen Frauen aus privilegierten Verhältnissen, die den Zugang zu Verhütungsmethoden überhaupt hatten und sich darum kümmerten, hatten es nicht leicht. Sie galten als leicht zu haben, was viele abschreckte, sich mit dem Thema Verhütung auseinanderzusetzten.

Für die meisten Frauen, die nicht so privilegiert waren, waren empfängnisverhütende Medikamente aber zu teuer oder unerreichbar. Gefährliche illegale Abtreibungen und gezwungene Heirat waren die Konsequenz.

Die Feminist_innen dieser Generation („zweite Welle Feministinnen“) waren sich im Klaren, dass es keine allgemeine sexuelle Befreiung geben könnte, ohne das grundlegend zu ändern. Sie traten für die Selbstbestimmung der Frau ein, was beinhaltete, dass unter anderen Schwangerschaftsabbrüche straffrei sein sollten – und schafften das auch für viele Frauen.

Wie sieht heute die rechtliche Situation aus?

Im Jahr 2013 angelangt, müssen wir noch immer für diese Rechte kämpfen. Nicht überall sind Schwangerschaftsabbrüche straffrei. Je nach Land gelten unterschiedliche gesetzliche Regelungen:

In vielen europäischen Ländern, den USA, Westaustralien und China gilt die Fristenregelung, d.h. der Schwangerschaftsabbruch ist innerhalb einer bestimmten Frist auf Wunsch der Frau erlaubt. In den Niederlanden, Großbritannien oder Schweden, ist ein sogenannter Spätabbruch für Frauen legal möglich, auch für jene aus anderen Ländern. Es gibt Kliniken, die sich auf diese Behandlung spezialisiert haben.

Andere europäische Länder gehen wiederum sehr restriktiv mit Abtreibung um, beispielsweise Andorra, Malta, Irland, Monaco, Lichtenstein und Polen.

In Österreich haben Frauen das Recht, eigenverantwortlich über einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden – die Strafgesetzgebung steckt jedoch ebenso den Rahmen ab:

Seit 1975 gilt die Fristenregelung, d.h. Schwangerschaftsabbruch ist nicht legal, aber straffrei, wenn er – nach ärztlicher Beratung – in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft erfolgt. Der Eingriff kann ambulant oder stationär erfolgen. Ärzte oder Ärztinnen sind aber nicht dazu verpflichtet einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen oder dabei mitzuwirken – außer bei Lebensgefahr.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern müssen in Österreich die Betroffenen selbst für die Kosten aufkommen. Das ist für viele eine enorme finanzielle Belastung, weil ein solcher Eingriff zwischen 350 und 800 Euro kostet.

Nach dem dritten Kalendermonat ist der Schwangerschaftsabbruch nur zulässig, wenn es medizinische Gründe dafür gibt; wenn etwa ernste Gefahr für die Gesundheit der Frau besteht, eine schwere Fehlbildung des Fötus zu erwarten ist oder ein Mädchen, wenn es schwanger wird, das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. In allen anderen Fällen, zum Beispiel aus sozialen Gründen oder nach einer Vergewaltigung, ist ein Schwangerschaftsabbruch nach dem dritten Monat unzulässig und daher strafbar!

Gelegentlich kommt es vor, dass eine Frau oder ein Mädchen eine ungewollte Schwangerschaft spät feststellt oder sich aus anderen Gründen erst nach dem dritten Monat zu einem Abbruch entscheiden kann. In diesen Fällen ist ein Abbruch in Österreich nicht mehr erlaubt.

Laut Gesetz gelten Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr als einsichts- und urteilsfähig. Der Gesetzgeber geht also davon aus, dass Mädchen die Bedeutung und die Tragweite eines Schwangerschaftsabbruches erfassen. Sie brauchen daher keine Zustimmung der Erziehungsberechtigten.

Das Krankenanstaltengesetz des jeweiligen Bundeslandes schreibt jedoch für operative Eingriffe eventuell die Zustimmung eines Elternteils vor. Falls die Eltern nicht erreichbar sind oder nicht in die Entscheidung einbezogen werden können, dürfen Jugendrichter_innen die Zustimmung zum Schwangerschaftsabbruch geben. In den steirischen KAGes Spitälern benötigen junge Frauen unter 18 Jahren die Zustimmung eines Erziehungsberechtigten.

Keine Frau entscheidet sich leichtfertig für einen Schwangerschaftsabbruch! Es ist immer eine schwierige Entscheidung, aber die Schuldzuweisungen und Stigmatisierung durch unsere Gesellschaft oder religiöse Abtreibungsgegner_innen machen die Situation noch schwieriger für Betroffene. Diese brauchen in erster Linie eine unabhängige Betreuung und Beratung, um in dieser Situation bestmöglich informiert zu sein und für sich selbst entscheiden zu können.

Weitere Informationen: http://www.fgz.co.at/fileadmin/hochgeladene_dateien/pdfs/ungewollt_schwanger/Pille_danach_Brochuere_ungewollt_schwanger_Stand03032010.pdf

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