Pop, Sex und Feminismus

I LOVE MY VAGINA

Frauen spielen eine zentrale Rolle im Popbusiness: Ob Madonna, Beyoncé oder Nicki Minaj, sie alle brechen Tabus, überschreiten Grenzen, tragen ausgefallene Kostüme und zeigen ganz viel nackte Haut.

Wie in anderen Musikgenres bewegen sich Frauen der Rock- und Popmusik zwischen Vermarktung und Ausgrenzung. Ihnen werden klare Rollen zugewiesen, was ihr Aussehen, ihre Bewegungen und ihr Reden reglementiert: Ihr Kleiderschrank erhält meist mehr Aufmerksamkeit als das, was sie zu sagen haben.

Welche Rolle spielen Popmusikerinnen für uns?

In den Medien erhalten wir ein glamouröses Bild von ihnen. Sie lassen sich auf Premieren blicken und zeigen uns immer die neuesten Trends vor. Sie leben uns vor, wie du aussehen sollst, wie du Sexualität (er)leben sollst, wie du beruflich Ansehen erreichst, was du in unserer Freizeit tun und welche Werte dir wichtig sein sollen.

Der Haken liegt darin, dass wir nicht alle Fabrikspüppchen der Mode- und Kosmetikindustrie sind, die weibliche Künstlerinnen benutzt um ihre Produkte zu bewerben. Das ist ein falsches Frauenbild, das zur Vermarktung des Frauenkörpers führt, indem Frauen auf Äußerlichkeiten reduziert werden.

Selbst wenn du aktiv versuchst, dich dieser Logik zu entziehen, prasseln tagtäglich diese Bilder mit all den von ihnen transportierten Werten auf dich ein.

Diese Einstellung führt soweit, dass Unzufriedenheit, sinnloses Konsumieren, eine gestörte Selbstwahrnehmung bis hin zu Schönheitsoperationen und Essstörungen das Leben von Frauen bestimmen können. Frauen beugen sich diesen falschen Idealen um in Konkurrenz mit anderen Frauen um Anerkennung, Karriere, Geld und Liebe zu treten.

Für viele junge Frauen sind Popmusikerinnen auch ein Vorbild auf dem Weg zur Erforschung der eigenen Sexualität und Selbstbestimmung. Abseits der einseitigen Darstellung, was oder wen Frauen lieben gibt es aber mehr als heterosexuelle, nackt räkelnde und immer willige Frauen. Nur wenige Künstlerinnen, wie beispielsweise Beth Ditto, treten aus diesem Mainstreambild heraus und zeigen, dass es individuelle Wege gibt, wie Sexualität gelebt werden kann und was schön ist.

Jenseits des Hollywood-Einheitsbreis gibt es in der Realität weibliche Vielfalt und Persönlichkeit. Das bedeutet, dass Frauen äußerlich gesehen unterschiedliche Formen, Hautfarben haben und unterschiedlich alt sind. Sie definieren sich jenseits ihrer Äußerlichkeit oder ihres Sexuallebens als selbstbestimmte Persönlichkeiten, die ihre eigenen Gedanken haben und ihre eigenen Lebenswege gehen.

Brauchen wir (solche) Vorbilder?

Die logische Konsequenz aus dieser Hollywood-Scheinwelt ist, sie auch als eine solche zu behandeln. Zu einer selbstbestimmten Eigenwahrnehmung gehört, den eigenen Körper als schön zu empfinden. Niemand muss einem schnelllebigen Trend nacheifern oder sich von der Mode- und Kosmetikindustrie versklaven lassen. Wichtiger ist, was du selbst von dir denkst und wie du deinen eigenen Körper und dein eigenes Leben selbst siehst.

In der zweiten Frauenbewegung der 60er und 70er Jahre griffen Vertreterinnen diese Gedanken auf um sie auch musikalisch für sich zu realisieren. Die politischen Forderungen nach mehr Rechten, Anerkennung eigener Räume, gleiche Chancen im Beruf und gleichberechtigter Rollenverteilung vor allem im Familienleben mobilisierten viele Frauen selbst Musikinstrumente in die Hand zu nehmen und eine andere Form der Musik zu machen. Diese Tradition wird noch heute weitergeführt.

Musikerinnen müssen sich nicht explizit in feministische Kontexte stellen oder sich selbst in solchen Zusammenhängen engagieren, um für Empowerment, d.h. Selbstermächtigung von Mädchen und Frauen einen Beitrag zu leisten. Das können sie auch ohne oder gar entgegen ihrem individuellen Wollen bewirken. Aber wenn Musik und das bewusste Bekennen zu aktuellen feministischen Anliegen zusammen treffen, dann tragen Frauen lautstark die Botschaft ihrer eigenen Forderungen nach außen.

Vielleicht kann man Musikerinnen im Pop und Rock als Inspiration sehen. Wenn beispielsweise Madonna Feminist_innen in den 80er und 90er Jahren inspiriert hat und Beth Ditto ihr Selbstbewusstsein nach außen trägt, dann sind das ja gute Ansätze von denen wir auch selbst was lernen können. Musikerinnen und ihre Musik können also durchaus eine Inspiration für uns selbst sein, wir dürfen nur nicht vergessen, dass oft eine Scheinwelt dahintersteckt, die wenig mit unserer Realität zu tun hat, egal wie oft Klatschzeitung und Fernsehen uns das weismachen wollen.

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