Kostenlos oder fahrscheinlos? Was wir unter Gratis Öffis verstehen

Ganz vorneweg muss klargestellt werden, dass die Forderung nach Gratis Öffis nicht bedeutet, dass die Bus- und Tramfahrer*innen nichts mehr verdienen sollen, die Fahrzeuge kostenlos geliefert werden und Strom und Treibstoff ab sofort gratis zur Verfügung stehen. Natürlich werden für all diese Dinge auch in Zukunft Kosten anfallen. Die Frage ist nur: wie werden diese Ausgaben finanziert?

Ticketeinnahmen decken nur 25-50% der Kosten

Bereits jetzt werden zwischen 50 und 75% der Kosten für den öffentlichen Verkehr (ÖV) aus öffentlichen Mitteln (sprich Bund, Länder und Gemeinden) subventioniert. Die Ticketeinnahmen können nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten decken.

Gratis Öffis – uneingeschränkt, fahrscheinlos

Unter dem Motto „Gratis-Öffis“ fordern wir die uneingeschränkte, fahrscheinlose Benützung öffentlicher Verkehrsmittel. Dabei soll es keine Einschränkungen, wie etwa auf Hauptwohnsitze (siehe Tallinn) geben. So kann gewährleistet werden, dass durch das Wegfallen von Kontrollen, Ticketautomaten, Werbung usw. Geld in Personal, Service und Infrastruktur umgeleitet wird. Die entgangenen Ticketeinnahmen können dadurch in den meisten Fällen nicht gänzlich ersetzt werden.  Konsequenterweise bietet sich daher eine Querfinanzierung durch höhere Parkgebühren oder City-Mauten an.

Jedes Auto verursacht € 1.600 Steurkosten jährlich

Der Einwand, dass dadurch nun alle – auch die, die keine Öffis nutzen – mitzahlen müssen, stimmt nur sehr bedingt. Wie oben beschrieben wird bereits jetzt ein Großteil der ÖV-Kosten durch „die Allgemeinheit“, also alle Steuerzahler*innen, finanziert. Selbiges trifft übrigens auch auf den Autoverkehr zu. Eine Studie der TU Dresden (http://www.greens-efa.eu/fileadmin/dam/Documents/Studies/Costs_of_cars/The_true_costs_of_cars_EN.pdf) zeigt, dass jedes Auto im EU-Schnitt jährliche Kosten in der Höhe von 1.600€ für die Steuerzahler*innen verursacht. Die negativen Nebeneffekte durch den Autoverkehr – Luftverschmutzung, Lärm, Unfälle, Flächenverbrauch, CO2-Emmissionen, usw. – sind wesentlich gravierender als die des ÖVs. Eine Trendwende im Mobilitätsverhalten ist daher dringend notwendig und scheitert keinesfalls an den Kosten.

Gratis Öffis als ökologische & soziale Forderung

Gratis Öffis machen nicht nur den urbanen Raum attraktiver und sind in jeder Hinsicht umweltschonender, sie fördern auch die Chancengleichheit einer Gesellschaft. Mobilität bedeutet auch die Möglichkeit am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Hohe Mobilitätskosten schließen vor allem sozial Schwache aus. Daher verstehen wir die Forderung nach Gratis Öffis als ökologische UND soziale Forderung.

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