„Rio“ war von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

 

Sebastian Vetter

Kommentar von Sebastian Vetter.

„Rio“ war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Sogar wenn die Verhandelnden mit ihrem Schwerpunkt „Green Economy“ erfolgreich gewesen wären, wäre es ein Scheitern geblieben.

Spätestens seit dem Klimagipfel in Kopenhagen ist die Erwartung der Menschen was solche Treffen angeht sehr gering. Zu Recht! Ein wirksames Abkommen wäre ungemütlich für die Wirtschaft der meisten Länder, und in der (kapitalistischen) Politik geht’s ja leider fast nur um den wirtschaftlichen Erfolg des jeweiligen Landes.

Internationale Klima-Abkommen scheitern an der Konkurrenz zwischen den Staaten bei der Jagd nach Wachstum. Der von Krisen gelähmte Westen und die aufstrebenden Staaten können sich nicht auf eine gemeinsame Politik einigen. Der Westen braucht das Wirtschaftswachstum zur Krisenbewältigung und Staaten wie Brasilien, China oder Indien lassen sich ihren Anteil am Reichtum der Welt nicht nehmen.

Was tun?

Regierungen sprechen gerne von „Green Economy“, also einer umweltverträglichen Wirtschaft. Mit Hilfe moderner Umwelt-Technologie und der „schöpferischen(zerstörerischen) Kraft des Marktes“ sollen Wirtschaftskrise und Klimawandel bewältigt werden. Davon verspricht sich Mensch neue Arbeitsplätze(green Jobs) und Absatzmärkte.

Green Economy ist ein sehr ungenauer Begriff. Die Energiegewinnung durch das Verbrennen von Getreide könnte genauso „green“ sein, wie Straßenbauarbeiten oder die Medienarbeit für ein Umweltprojekt.

„Relative Entkoppelung“ bedeutet, dass für die Produktion einer Ware immer weniger Rohstoffe verbraucht werden. Rohstoffe kosten den Betrieben viel Geld, also streben sie eine „relative Entkoppelung“ an. Dieser Fortschritt führt jedoch nicht zu einem sinkenden Verbrauch von Rohstoffen, sondern zu einer Steigerung der Warenproduktion.

„Absolute Entkoppelung“ bedeutet, dass im gesamten Produktionsprozess weniger Rohstoffe verbraucht werden. „Green Economy“ verspricht einen Wachstumsschub, aber genau dieser Schub zerstört die Chance auf ein besseres Klima.

Die Firmen können nicht einfach aufhören, weniger zu produzieren. Sie stehen in Konkurrenz zu einander und müssen die Kredite abzahlen, mit denen sie ihre technische Optimierung finanziert haben. Wer versucht aus dem Kreislauf aus zu steigen, wird verdrängt und geht Bankrott.

„Post-Wachstums-Ökonomie“?! Eine Wirtschaft, „nach dem Wachstum“? Wenn das Wirtschaftswachstum den Klimawandel verursacht, ist es vernünftig, ein System mit weniger Wachstum an zu streben. Lässt sich der Wachstumszwang im Kapitalismus überwinden oder muss dieser durch etwas anderes ersetz werden, um das Problem zu bewältigen?

Ökonomen wie Tim Jackson propagieren einen Kapitalismus mit weniger Konsum und mehr „grünen Investitionen“. Außerdem sollen die Leistungen von Ökosystemen in die Bilanzen mit eingerechnet werden. Für ihn ist die Konsumgesellschaft das zentrale Problem. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir uns durch kurzlebige Waren ausdrücken und darstellen. Eine andere Kultur, kein anderes Wirtschaftssystem hält Jackson für notwendig und möglich.

Der Wachstumszwang gehört zum Kapitalismus wie die Lohnarbeit, argumentieren Linke TheoretikerInnen. Die Konsumgesellschaft ist ein Produkt des Systems und somit Symptom und nicht Ursprung des Problems. „Wertproduktion“ ist das zentrale Motiv des Kapitalismus, die zur Wert-Vermittlung dienenden Waren müssen verkauft werden, damit es Profit gibt. Menschliche Eigenschaften werden auf Dinge und Phänomene projiziert. Eine Flasche Wein ist mehr als Wein und Glas, sie ist auch ein Stück Kultur und sagt etwas aus. Wer einen teuren Wein trinkt, gibt sich selbst auch ein Image. Mit diesen Bildern zeigen wir anderen Menschen „wer wir sind“.

Diese Kultur kann nicht einfach aufgelöst werden, nur weil wir ihr Wirken verstehen.

Eine Alternative im Kapitalismus ist für viele Linke nicht wahrscheinlich, denn diese Konsumkultur ist eine Konsequenz des kapitalistischen Systems. Reform oder Revolution? Wir gelangen immer wieder zu den gleichen Grundsatzfragen.

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