Interview mit Niko Alm

Mit dem Nudelsieb gegen Privilegien der Kirche

Internationale Medienaufmerksamkeit zog der österreichische Unternehmer Niko Alm auf sich, als er sich mit einem Nudelsieb auf dem Kopf für seinen Führerschein ablichten ließ. Die Protestaktion soll durchaus politisch verstanden werden, erzählt Niko im Gespräch mit den Jungen Grünen. Das Interview führte Agnes Fogt.

Junge Grüne: Du gehörst zu den „Pastafaris“ und bist Anhänger des Spaghetti-Monsters.
Der „Flying Spaghetti Monsterism“ ist eine Religionsparodie, die ein fliegendes Spaghetti-Monster als Schöpfer installiert. Hauptsächlich geht es darum, zu unterstreichen, dass eine Gottesfigur weder bewiesen noch wiederlegt werden kann…

Niko: Stimmt.
Die Gründung war anlassbezogen, weil darüber nachgedacht wurde, in einigen amerikanischen Schulen Kreationismus [ein übernatürliches Wesen hat die Welt erschaffen; Anm.] zu lehren. Das Ganze ist eine subersive Herangehensweise: Durch die Parodie kann der Unsinn der Religion leichter vor Augen geführt werden.

Wie bist du dazu gekommen?

Wenn man sich in den Bereichen Atheismus, Aufklärung und Laizimus [verfassungsrechtliche Trennung von Kirche und Staat; Anm.] engagiert, stolpert man irgendwann zwangsläufig darüber. Vermutlich hat mir irgendwann irgendwer einen Link geschickt.

Du hast dann auch ein Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung gewählt und dich für deinen Führerschein damit fotografieren lassen. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Ich habe in einer Broschüre gelesen, dass man auf dem Führerscheinfoto keine Kopfbedeckung tragen darf, mit einer Ausnahme: religiöse Gründe. Das ist gesetzlich nicht gedeckt, man darf sehr wohl eine Kopfbedeckung tragen, aber den Bürger_innen wird das nicht so vermittelt.

Das Nudelsieb lag in der Küche herum. Es hat sich auch angesichts des Spaghettimonsters aufgedrängt.

Was bezweckst du mit der Aktion?

Ich will dasselbe Recht für mich beanspruchen, egal ob ich religiös bin oder nicht.

Hast du Reaktionen von Menschen bekommen, die aus anderen religiösen Gründen Kopfbedeckungen tragen?

Überhaupt keine. Beleidigt gefühlt haben sich nur Leute, die es nicht direkt betrifft, die sich aber als Stellvertreter_innen potenziell Beleidigter berufen fühlen.

Was sagst du: Ein Nudelsieb für den Schüler_innen- oder Student_innenausweis?

Ja sicher, unbedingt. Das ist ja nicht nur Spaß, sondern ein symbolischer politischer Akt.

Du bist ja sehr aktiv: Du bist Vorsitzender des Zentralrats der Konfessionsfreien, Sprecher der Laizismus-Initiative und der Initiative gegen Kirchenprivilegien. Woher kommt das große Engagement?

Weil es sonst niemand macht. Ich habe persönlich keine überdurchschnittlich schlechten Erfahrungen mit der Kirche, aber es gibt ein Bedürfnis: Ich hatte sofort viele, auch prominente, Unterstützer_innen.

Welches Kirchenprivileg ist dir persönlich der größte Dorn im Auge?

Der Religionsunterricht. Religion wird als selbstverständlich gehandhabt und auch so vermittelt.

Bist du für Ethikunterricht und was würdest du dir da wünschen?

Ich bin für einen Ethik- und Religionenunterricht – ich bin nicht ganz zufrieden mit dem Namen, kann aber damit leben. Religion ist ein Kulturgut. Es muss um eine Auseinanderstzung mit allen Religionen auf wissenschaftlicher Ebene gehen und nicht darum, dogmatisch eine Konfession zu lehren. Alle sollen den gleichen Unterricht erhalten.

Ich vermute jetzt mal, du bist gegen Kreuze im Klassenzimmer…

Ich bin gegen den Zwang. Das ist ein demokratisches Problem. Das Kreuz hängt nicht da, weil die Schüler_innen gesagt haben: „Wir wollen das“ – es ist verpflichtend.

Wie steht es mit religiösen Symbolen allgemein? Ich denke da etwa an Schüler_innen, die eine Kette mit einem Kreuz tragen oder ein Kopftuch.

Das zu verbieten wäre ein aus heutiger Sicht unzulässiger Eingriff in die Privatsphäre.

Wie unterscheidest du Glaube, Religion und Kirche?

Glaube ist etwas höchstpersönliches, es gibt vermutlich sieben Milliarden verschiedene Weltbilder. Religion subsummiert ähnliche Konzepte. Kirche ist die organisierte Form, die dann auch am häufigsten abgelehnt wird.

Siehst du eine Daseinsberechtigung für Kirchen?

Ja, sicher. Gleich viel wie für einen Fussballverein, Astrologie oder die Blasmusik. Das kann man nicht verbieten. Wenn die Existenz dieser Organisationen aber in Gesetze eingreift und zu Sonderrechten führt, wird es problematisch.

Welches Verhältnis zwischen Staat und Kirche wäre für dich der Idealfall?

Ein entspanntes, freundschaftliches, getrenntes. Interessensgruppen sind Teil der Gesellschaft.

Ihr habt eine Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien gestartet. Seid ihr schon fertig mit auszählen, habt ihr genug Stimmen?

Ich bin da zuversichtlich. Und man kann auch noch unterschreiben.

Dürfen wir auf neue private Aktionen von dir im Namen des fliegenden Spaghettimonsters gespannt sein?

(lacht) Ich habe da keinen Masterplan, aber wenn sich etwas ergibt bin ich sicher dafür offen.

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