10 Fragen – 10 Antworten

1 Klimawandel = Panikmache oder Realität?

In Diskussionen rund um die Ursachen des Klimawandels taucht oft die Behauptung auf, die globale Erwärmung sei nichts weiter als eine von Medien & Ökofreaks aufgebauschte Katastrophen-Story. Tatsache ist aber, dass die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler_innen die Erkenntnisse des IPCC-Berichtes befürwortet und bestätigt. Der „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC), oft auch als Weltklimarat bezeichnet, trägt die Forschungsarbeiten von über 2000 Wissenschaftler_innen aus mehr als 130 Ländern zusammen.

Da das Klima ein unvorstellbar komplexes System mit unzähligen Variabeln und Rückkopplungen ist, können auf wissenschaftlicher Ebene nur Wahrscheinlichkeiten für Ursachen und Folgen angegeben werden. Der IPCC-Bericht nennt die menschlichen Emissionen von CO2 und anderen Gasen (wie Methan) als wichtigste Ursache der derzeitigen Erderwärmung – mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90%.

2 Wem kann ich glauben?

Sogenannte Skeptiker_innen werden überproportional häufig von den Medien in die Öffentlichkeit getragen und oft von der Wirtschaft für ihre Aussagen bezahlt. Als Lai_in ist man auf zuverlässige Informationsquellen angewiesen und damit in einem gewissen Sinne von der Qualität und Vertrauenswürdigkeit dieser Quellen abhängig. Wichtig ist, dass jede_r versteht, dass allgemeine Trends und grundlegende Entwicklungen um ein Vielfaches aussagekräftiger und wesentlicher sind als konkrete Zahlen (wie beispielsweise die akzeptierten 2°C zur Eindämmung des Klimawandels). Prognosen können abweichen – die Natur lässt sich eben nicht berechnen!

Die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Ursachen des Klimawandels kann aber auch ganz logisch betrachtet werden: Wem schadet die Debatte um den von Menschen verursachten Klimawandel am meisten? Wer hat ein Interesse daran, dies zu leugnen? Und wer „profitiert“ davon?

Die kapitalistische, profitmaximierende Wirtschaft inklusive Atom- und Erdöllobby hat ein sehr großes Interesse daran, dass alles so bleibt, wie es ist. Viele Politiker_innen scheuen sich außerdem vor unbeliebten aber notwendigen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen.

Verschiedene Unternehmen und Institute sprechen von unterschiedlichen Zahlen oder Folgeerscheinungen des Klimawandels. Um ein möglichst gutes Bild zu bekommen, ist es ratsam verschiedene Quellen zu vergleichen und auf die Herausgeber_innen zu achten. Konzerne sind meist darauf bedacht Ursachen und Folgen schön zu reden und kommen daher oft auf ganz andere Ergebnisse als Umwelt-NGOs. Auch Forschungen und Statistiken von Universitäten können aufschlussreich sein, doch auch hier sollte darauf geachtet werden, wer die Forschung in Auftrag gegeben hat.

3 Hat es früher auch schon Klimaschwankungen gegeben?

Ja, hat es! Die Erde ist 4,6 Milliarden Jahre alt und blickt auf unterschiedlichste Klima-Perioden zurück. Es gab immer schon Schwankungen, und es wird sie auch immer geben – beispielsweise beeinflusst durch die unterschiedlichen Aktivitäten der Sonne, aber auch der Erde selbst (Plattentektonik, Vulkanismus, Turbulenzen im Erdinneren, etc.) oder durch Meteoriteneinschläge.

Klimaschwankungen an sich sind folglich also nichts Besonderes, sondern etwas ganz Natürliches. Was entscheidend ist, ist die derzeitige Geschwindigkeit der globalen Erderwärmung und der enge Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg, Wirtschaftsaktivität und Bevölkerungswachstum.

4 Wieso ist es so schwierig, Aussagen über das Klima zu treffen?

Jede_r von uns hat sich wohl schon das eine oder andere Mal gewaltig über eine miserable Wettervorhersage geärgert. Aussagen zum Klima kann man sich als die täglichen Wettervorhersagen von allen Regionen der Erde in einem Zeitraum von 30 Jahren vorstellen – nicht sehr lustig!

In welchem Klima wir leben, hängt von extrem vielen Faktoren ab, die wiederum miteinander zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Das macht die Sache ganz schön kompliziert! Ein kleines Beispiel für eine sogenannte positive Rückkopplung: wenn die globale Temperatur steigt, schmelzen die Eiskappen an den Polen. Das führt dazu, dass die Oberfläche der Eiskappen immer kleiner wird und an deren Stelle also Wasser tritt. Wasser absorbiert aber viel mehr Strahlung als Eis: während Eis 90 Prozent des Lichtes reflektiert, sind es beim Wasser nur zehn Prozent. Das bedeutet, dass mehr Licht aufgenommen und in Wärme umgewandelt wird, was wiederum zu einer höheren Temperatur führt, was wiederum zu vermehrtem Schmelzen von Eis führt…

Bei einer positiven Rückkopplung verstärkt also die Folge ihre Ursache. Es gibt natürlich auch den umgekehrten Fall. Beide Arten von Rückkopplungen und viele weitere Wechselwirkungen machen das Klima zu einem sehr komplexen Forschungsfeld.

5 Wie hängen Klimawandel und Verlust der Biodiversität zusammen?

Vorweg: es gibt drei Arten von Biodiversität – die Vielfalt der Gene, die Vielfalt der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme. Alle drei unterliegen auch den Einflüssen des Klimas, ABER: der Verlust an Biodiversität, besonders die Bedrohung und das Aussterben von Arten, sind zuallererst eine Folge der Zerstörung von Lebensräumen durch den Menschen.

Die Menschheit ist innerhalb von 2000 Jahren von 300 Millionen auf etwa sieben Milliarden angewachsen – hat sich also mehr als verdreiundzwanzigfacht! Darüber hinaus hat sich unser Lebensstandard ebenfalls um ein Vielfaches „erhöht“. Dabei haben wir uns auf dem gesamten Planeten verbreitet und sind durch unseren Bedarf an Nahrung und Rohstoffen in jegliche Lebensräume eingedrungen. Die Rodung von Wäldern, das Verseuchen von Flüssen, Meer und Boden, das Bauen von Städten und Straßennetzen als großen Asphalt-Wüsten in der Landschaft und das Anbauen von Monokulturpflanzen führten dazu, dass heute zahlreiche Arten entweder bereits ausgestorben oder vom Aussterben bedroht sind. Nach unterschiedlichen Angaben ist jedes 4. Säugetier, jeder 8. Vogel und jede 3. Amphibie vom Aussterben bedroht. Der Verlust von Biodiversität ist daher mehr auf die Handlungen des Menschen, als direkt auf den Klimawandel zurückzuführen.

6 Was hat Klimawandel mit Ernährung zu tun?

Sehr viel- Klimawandel und Ernährung hängen eng zusammen. In der Debatte um Energieeffizienz und erneuerbare Energien im Kontext des Klimawandels wird jedoch oft vergessen, dass wir tagtäglich durch unsere Ernährung wesentlich im System stecken, welches zu Umweltverschmutzung und Lebensraumzerstörung führt. Was wir essen, ist nur im ersten Moment trivial – wenn man genauer hinsieht, erkennt man schnell, wie Klimawandel und Lebensmittel global zusammenhängen: Regenwald wird u.a. für den Anbau von Soja gerodet, welches zu einem sehr großen Teil in den Mägen von Milliarden von Tieren aus Massentierhaltung landet. Um 1kg Fleisch zu „produzieren“, benötigt man eine Fläche, die ungefähr 7mal so groß ist, wie für die Produktion von 1kg Getreide. Generell ist die Landwirtschaft sehr stark vom Erdöl abhängig – künstlicher Dünger wird (genauso wie unser allgegenwärtiger Kunststoff) aus Erdöl gewonnen. Die Maschinen werden zunehmend größer und schwerer und brauchen ebenfalls Erdöl. Hinzu kommen die ganzen Pestizide, die vermehrt zum Einsatz kommen. Böden werden verseucht und unfruchtbar. Nicht zu vergessen sind die wahnwitzigen Transportwege, damit ein_e Europäer_in auch im Winter Birnen aus Südafrika essen kann.

Etwas Positives hat die ganze Sache aber: beim Thema Ernährung kann jede Person selbst ihren Beitrag zu einer umweltfreundlicheren Gesellschaft leisten. Deshalb: alte Gewohnheiten hinterfragen und ein ökologisches Bewusstsein nicht nur mit Worten, sondern mit Taten sprechen lassen!

7 Was genau ist ökologische Nachhaltigkeit?

Der in aller Munde liegende Begriff „Nachhaltigkeit“ kommt aus der Forstwirtschaft, mit seiner ursprünglichen Bedeutung, nur so viele Bäume im Wald zu fällen, wie auch in gegebener Zeit wieder nachwachsen können.
Unter einer ökologisch nachhaltigen Gesellschaft ist eine Lebensweise von Menschen zu verstehen, die der Natur (bzw. den Ökosystemen) genügend Zeit und Raum lässt, um sich selbst regenerieren zu können. Das hieße beispielsweise, keine Energien aus fossilen Brennstoffen zu verwenden, da diese erst in Jahrmillionen regeneriert werden, oder jahrhundertealte Böden im tropischen Regenwald nicht für wenigjährige Ernteerträge zu „verbrauchen“.

Jede Produktion benötigt Rohstoffe und Energie. Wo Müll anfällt – wo Kreisläufe nicht geschlossen werden – kann keine Nachhaltigkeit vorliegen. Abfallstoffe zu recyceln ist zwar besser als es nicht zu tun, aber auch diese Prozesse benötigen Energie. Der sinnvolle Grundsatz der europäischen Union lautet: Vermeiden VOR Verwerten (Recyceln) VOR Beseitigen (Deponieren).

8 Was bedeutet Generationengerechtigkeit?

Generationengerechtigkeit bedeutet, dass wir unseren Nachkommen eine Welt hinterlassen, die in etwa jener entspricht, welche uns am Beginn unserer eigenen Lebenszeit begegnet ist – ohne tonnenweise radioaktiv verseuchten Müll, ohne degradierte (unfruchtbare, verwüstete) Böden, verschmutzte Gewässer, ohne Plastikstrudel im Meer, …
Keine Generationengerechtigkeit herrscht, wenn die eigene Lebensweise negative Auswirkungen auf die nächsten Generationen hat- diese also die Folgen eines verschwenderischen, umweltbelastenden Lebensstils tragen müssen.

9 Mit welchen Veränderungen müssen wir in Zukunft rechnen?

Eine genaue Prognose zu den Folgen des Klimawandels, mit denen wir bereits jetzt zu kämpfen haben und die uns noch erwarten, ist aufgrund der Komplexität des Klimas nicht möglich. Was wir jedoch bereits erleben, ist neben der Temperaturerhöhung ein Anstieg des Meeresspiegels, ein Verschieben des Niederschlagsmusters mit vermehrten Extremwetterereignissen (von Dürren bis zu Überflutungen), das Schmelzen der Polkappen und der Gletscher, Veränderungen in den Meeresströmungen (z.B. bezüglich Geschwindigkeit und Salzgehalt), Ausbreitung der Wüsten, Wanderbewegungen von Tieren und Ausbreitung von Pflanzen – um nur die bekanntesten direkten Folgen zu nennen.
Auf die Gesellschaft bezogen wird es in Zukunft vermehrt zu Migration aufgrund von klimatischen Veränderungen kommen. Was das für soziale, politische und wirtschaftliche Folgen nach sich zieht, ist ungewiss.

10 Was kann ich tun?

Sowohl als Einzelperson als auch in verschiedensten Organisationen gibt es Möglichkeiten, mitzuhelfen, eine Gesellschaft aufzubauen, die nicht auf Ausbeutung von Ökosystemen und anderen Menschen beruht, sondern auf einer ökologisch nachhaltigen und generationengerechten Lebensweise. Wichtig dabei ist, sich in dieser Thematik zu bilden und stets kritisch zu hinterfragen – auch sich selbst.

Und: Es darf nicht bei bloßen Lippenbekenntnissen bleiben. Unser Handeln spiegelt (hoffentlich) unser Denken wider. Nur so ändert sich real etwas an unserem ökologischen Fußabdruck.

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